Immer weiter auf der Huehnerleiter
Die Bauarbeiter kommen irgendwie taeglich frueher - ich hatt's ja umgekehrt erwartet. Heute also schon um 20 vor acht stand der erste auf der Matte. Und sie fuehlen sich wie zu hause. Die Kueche zumindest teilen wir eindeutig schon. Aber das ist echt okay so.
Ich hab' gestern nach einem anfangs schrecklichen, dann langsam angenehmer werdenden Arbeitstag einen unerwarteten Energieschub gehabt. Also fuer heute vorgekocht: Diesmal wieder ein neues Gemuese ausprobiert, urspruenglich waren das getrocknete Lilienblueten. Die also werden in Wasser eingelegt, spaeter mit Bambussprossen und Fruehlingszwiebeln gemeinsam ge-stirfried (in meinem Fall kam noch Zucchini dazu und Gewuerze natuerlich und ein bisschen Chili- und Sojasauce und und und), dann Brot gebacken waehrend der Curryreis auf dem Herd stand. Das war so ein Fertigbackmischungsbrot (vom Lidl), aber schmeckt echt gut und ziemlich deutsch (also lecker).
Das hat gut getan: Dieses Gefuehl und Erleben, dass was entsteht, vorangeht, ...
Also esse ich gerade mal kein Muesli, sondern frisches Kaesebrot. Der Effekt der relativ langen Abstinenz (seit Hanni's selbstgebackenem Direktimport-Mitbringsels) ist aehnlich wie wenn man einen Berg erklommen hat: Ploetzlich schmeckt alles besser.
Das also geniesse ich, zudem, dass ich es derzeit schaffe, so frueh aufzustehen. Ich grabe zwar taeglich neu das Kriegsbeil aus in einen Kampf mit meinem Wecker, aber ich siege meist zu einer anstaendig fruehen Zeit - und die hab' ich dann wiederum, um ins Netz zu gehen, zu lesen, aufzuraeumen und zu waschen oder mir was zum Essen zu machen,....
(Hihi, und es gibt Niemanden, den ich die Waende hochgehen lasse, weil ich - halb am Schlafen noch und unendlich langsam - extrem lange das Bad besetzt halte.)
Morgen ist schon Juli: Erstaunlich! Die Zeit rast, finde ich.
Vorgestern am Abend hat meine Mutter angerufen. Das tat sehr gut, wiewohl es mir nicht so toll ging und ich die Arme ganz schoen zugejammert habe, fuerchte ich. Aber ein Gespraech mit der Mama ist noch immer eine sehr gute Medizin fuer mich:
Das klaert meine Gedanken, weil sie immer Gutes zu sagen hat, freut mich einfach, weil sie meine Mama ist und unterhaelt und bewegt mich, weil sie stets Interessantes zu erzaehlen hat und ich an ihrem Leben teilhaben kann bzw. meines mit ihr teilen. Es tut gut, ihr zuzuhoeren, tut gut, ihr zu erzaehlen und zu wissen, sie hoert zu - auch wenn ich mal wieder lange erzaehle oder ziemlich wirr ;-)
Die letzten Tage vermisse ich meine Familie sehr:
Ich will mit meinen Bruedern reden und was unternehmen, meine Schwester sehen und mit ihr reden, tanzen gehen, einen Kaffee trinken, .... Ich will mit meinen Eltern zu Mittag essen und dann den Kaffee auf der Terasse in der Sonne sitzend mit einem Keks oder zwei zu mir nehmen, waehrend wir uns unterhalten oder auch nicht. Einfach da sein zusammen. Ich will mit der ganzen Familie Motorrad fahren und mit dem grossen Bruderherz den Schwarzwald erkunden, von dem ich so viel lerne und der so gut faehrt. Ich will mit diesem Bruder fruehstuecken und das Leben diskutieren, bei ihm auf dem provisorisch zum Bett umfunktionierten Sofa uebernachten und nach dem zehnten "Gute Nacht!", "Schlaf schoen", "Dir auch", "Gut' Nacht", "Hmmm" einschlafen... Ich will endlich auch mal wieder Zeit mit dem gar nicht mehr kleinen Chaoten verbringen.
Ich will manchmal vielleicht einfach nach Hause. Und ich mag das eigentlich sogar, dieses Gefuehl. Wie man ein Spinnennetz oft nur im Morgengrauen richtig sehen kann, wenn's kalt ist und der Rauhreif oder der Morgentau daran haengen.
Ich werd' nachher zur Post muessen und zum Markt, Obst kaufen gehen. Viel aendert sich im Leben: Frueher hab' ich die Bananen nur fast noch gruen gegessen.
Mut haben zum Dankbarsein. Das will ich.


1 Comments:
Die Zeit rast, finde ich.
... das finde ich auch. Und sie rast immer weiter, und manchmal habe ich fast das Gefühl, die Zeit ist schneller als ich. Manchmal auch nicht.
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