Saturday, June 10, 2006

England-Fieber

Die Briten spielen schon seit Tagen verrueckt: Immer mehr Autos sind mit mindestens zwei Flaggen auf dem Dach geschmueckt, Haeuserfronten (hab' ich gestern mehrfach gesehen) werden komplett mit Wimpeln, Flaggen, Bannern und Trikots verhaengt - Fenster sowieso schon seit laengerem.

Viele Maenner tragen England-T-Shirts und -Kappen, Armbaender und Ketten (wirklich sehr viele!), Frauen die entsprechende Girlie-Variante (nicht so viele). So gut wie jedes Geschaeft, Restaurant, jeder Imbiss, jedes Schaufenster sind in Englandfarben gehalten oder mit Flaggen bestueckt. Jede zweite oder dritte Fernsehwerbung dreht sich um das eine Thema... Und ich hatte gedacht, dass die Deutschen fussballverrueckt sind!!! Es ist unglaublich.

Heute das Spiel: Es kann nur schlimmer werden..... ;)

Nachdenken

Wenn es stimmt, dass Gott unser Vater ist, dann gefällt es ihm, wenn wir ihn bitten.
Winfried Kuhn



Quelle: Jesus.de-Newsletter

Bunte Mischung

Es ist schon ungewohnt, von so vielen Asiaten umgeben zu sein, nicht zu verstehen, fremd sein in dieser eigenen kleinen Welt, die "Gruppierungen unter sich" wohl ueberall auf der Welt haben..

Ansonsten sind wir aber relativ bunt gemischt. Die Kunden kommen aus Afrika, Sri Lanka, Grossbritannien natuerlich, China, Hong Kong, Japan, ...; Wir Mitarbeiter stammen aus China, Hong Kong, Polen, England oder eben Deutschland. Das ist interessant.

Gestern schon, also nach einer meiner Meinung nach erst kurzen Probefahrt auf dem Rueckweg von der Lieferung am Donnerstag, wurde ich als Fahrerin eingesetzt. Begleitet hat mich Ken, er kommt aus Hong Kong und spricht somit die richtige Sprache, um mit den Kunden zu verhandeln. Ich bin gefahren und habe meinen Anteil getragen. Wir sind am fruehen Nachmittag losgefahren und waren um halb neun zurueck.

Es war sehr heiss, ich musste mich noch voll auf's Fahren konzentrieren (Kuehlwagen nur mit Seitenspiegeln; weil ich zu klein bin ist der linke teils vom Armaturenbrett bedeckt und ich seh' kaum was beim rueckwaerts fahren), Ken hat sehr viel geredet, in seinem fuer mich noch ungewohnten Akzent, ich musste dauernd antworten, erzaehlen, was er hoeren wollte ueber mich und meine Familie und Deutschland und und und...

Es war gut, schliesslich trainiere ich so endlich mein Englisch. Aber eben unheimlich anstrengend. Wir haben wirklich literweise Wasser in uns hineingeschuettet und Ken ist auf dem Rueckweg dann auch eingeschlafen (uff, recht angenehm, nur ich und das Radio und die wunderschoenen gewundenen Hoppelstraesschen Lincolnshire's).

Ja, der Van ist eindeutig nicht fuer meine Koerpergroesse gebaut, so ist bsp. der Sitz auch in der niedrigsten Einstellung etwas zu hoch und auf Dauer ist das sehr anstrengend, vor allem das Kuppeln. Dann eben der linke Spiegel, der teils verdeckt wird. Ausserdem kann man, wenn man bspw. in einem 45-Grad-Winkel zur Strasse steht, in die man nach links einzubiegen gedenkt, die Autos nicht sehen, die dort fahren. Ich habe zweigeteilte Spiegel und werde mal schauen, ob ich sie so einstellen kann, dass das zumindest teilweise geht.

Ich musste viele Manoever fahren, von wegen rueckwaerts in enge Gassen rein bzw. rueckwaerts irgendwo rausfahren, und so langsam klappt das immer besser, auch mit dem Schalten, wo ich anfangs den Schaltknueppel oft einfach nicht finden konnte ;)

Wir haben zwei Lieferungen angenommen gestern, also zwei LKWs ausgeladen, bevor wir dann selbst auf Lieferfahrt gegangen sind. Ich muss mich noch an das Gewicht der Pakete, Kisten, Faesser und Saecke gewoehnen. Ich hebe, soweit moeglich, rueckenschonend, ignoriere den Muskelkater (heute schon wieder besser) und schwitze mit den Anderen um die Wette.

Ich muss erst um 11 anfangen, hab' bisher bis 19:30 bzw. 20:30 gearbeitet. Vier bis fuenf Mal die Woche werden Lieferungen gefahren, davon auf jeden Fall je zwei Male die laengere bzw kuerzere Tour. Vorerst soll ich 6 bis 7 Tage die Woche arbeiten.

Gerade wasche ich meine Waesche, noch bin ich abends zu kaputt, als dass ich noch viel machen koennte. Aber ich werd' mich dran gewoehnen. Die Kollegen und Chefs sind nett, die Zeit geht schnell rum bei all der Arbeit, ich verdiene Geld und profitiere auch sonst vielfach von dem Job.

Ach ja, und es macht meist gar nichts aus, wenn ich Kunden zu meiner Chefin weiterschicken muss. Haeufig naemlich moechten sie einfach nur in ihrer eigenen Sprache bedient werden.

Die Kleiderwahl faellt mir ausserordentlich schwer: Ich habe viele schoene Klamotten, das ist nicht die Frage. Aber ich muss einerseits Kleidung tragen, die praktisch ist fuer's Schleppen, nicht verrutscht beim Heben und Buecken und Klettern und Schieben, sich angenehm traegt, auch wenn's einem sehr warm wird und dennoch gut aussieht, weil man ja nebenbei auch Kundschaft bedient bzw. beliefert. Gestern bspw. habe ich eine meiner relativ wenigen kurzen Hosen geschrottet, weil ich schwer beladen eine Tuer aufgestossen habe und beim Durchgehen an der Briefklappe haengen geblieben bin. Mein Kollege meinte nur, ich solle froh sein, dass der Riss nicht an einer anderen Stelle ist. Gut, dass er das gesagt hat. Ich war dann wirklich eher erleichtert als sauer. Die Hose war fast neu, aber das sind alle bzw. beide meine kuerzeren Hosen, von denen ich dachte, sie seien ideal fuer's Arbeiten....

Und die Fussball-Ergebnisse bzw. den jeweiligen Zwischenstand haben wir auch mitbekommen: Zuerst im China-Restaurant, wo die gesamte Belegschaft um einen Mini-TV herumgruppiert war und Deutschland gegen Costa Rica angeschaut hat. Das war irgendwie lustig, wo die nicht mal richtig Englisch konnten und das gesamte Umfeld so wunderbar asiatisch war. Da schien das WM-Gucken, das mich so sehr an deutsche Kneipenkultur erinnert hat, voellig fehl am Platz.

Auch waren die Kunden fast ausnahmslos sehr erstaunt, wenn ich kam. Ich dachte, es liegt daran, dass ich keine Chinesin bin. Aber nein, ich haett' es besser wissen sollen: Der Grund ist - so hat Ken mich eines Besseren belehrt - dass ich eine Frau bin, die den Van faehrt und die Waren schleppt. Ja, ja. Manche Dinge sind doch ueberall gleich.

So. Jetzt hab' ich mein Defizit von gestern wohl vielfach wieder ausgeglichen. ;)

Wednesday, June 07, 2006

Mandarin/Kantonese/...

We've just been in the streets to look for some job vacancy adverts we were told about in two locations... On our way I've spotted a bright fluorescent pink sign saying: "Driver wanted, ask inside"

Well, I've gone inside, had a chat with the owner and now I've suddenly got a job from tomorrow: As a delivery driver to Asian restaurants and within their shop for Asian food supplies. Wow!

And I had only seriously started praying yesterday or the day before... There had been this say I'd read about trusting god making us strong and relying on him.... I did - and there we are.

Please pray, I make it tomorrow, it's only for trial obviously. (Halleeeeeluuuuujaaaa ;) )

Solero

Wo0-hoow! Hab' erstmals seit laengerem richtig begeistert die BBC-Wetterseite aufgerufen bzw. gelesen nach dem Aufrufen:

Fuenf Tage die schoen orange-farbene Temperaturanzeige, daneben immer die knallgelbe Sonne auf blauem Grund, ein bisschen Wolke dabei nur heut' und morgen, dazu eine sanfte Brise!

Jepp, ihr hattet in letzter Zeit doch immer Recht, ich hoffe, das bewahrheitet sich und vervielfacht sich nach hinten ..... => Sommer?

Monday, June 05, 2006

Drahtig

Morgen bekomm' ich ein "neues" Fahrrad. Ich hoffe, es ist soweit ok und die £ 15 wert. Dann kann ich endlich wieder ein bisschen raus hier aus der Stadt. Der David bringt's mir mit, gegen Abend. Bin also echt gespannt.

Photoshooting

Waren heute alle Vier im Photostudio der Uni und haben uns ablichten lassen von Sean bzw. Jamie, je nachdem, wer grad im Schussfeld des Objektivs stand. Drei Stunden sind verflogen, massenweise Bilder entstanden. War ganz lustig. Uuh, und teils sind die Bilder einfach graesslich/peinlich.... Aber es gibt ja noch immer Photoshop, gell?

Lichtschalterblume

Es musst' jetzt wirklich sein. Ich hab' sie endlich gezeichnet. Meine Lichtschalterblume,
wie ich sie im Kopf habe,
seitdem ich
in diesem Zimmer bin...





Sunday, June 04, 2006

Erstaunt

Es ist 22:22 Uhr und gerade hat die Band zwei Reihenhaeuschen weiter zu proben begonnen. Ich bin manches Mal fasziniert von der hiesigen unbesorgten Herangehensweise an viele Dinge.

Dieses Paradoxon von einerseits heftigst strengen und im Laufe der Jahrhunderte auch gaenzlich unnuetz gewordenen Regelungen und Verhaltensmustern und andererseits voelliger Anarchie.

Es gibt manches Mal diese ueberaus strikten Regeln, die keiner einhaelt und das ist nicht schlimm (wenn man es auf bestimmte mir noch immer schleierhafte Art und Weise und unter Beachtung gewisser mir wiederum nicht durchschaubarer Faktoren tut). Dann wiederum ist da eine Sorg- und Formlosigkeit, Spontanitaet, der Hang zum voelligen Improvisieren (von komplexen Projekten und Vorgaengen, von denen sehr viel abhaengt) und generelle Akzeptanz von unglaublich schlechter Qualitaet (bspw. im Bauwesen etc.)

Die Englaender lieben Projekte und Planung und wenn man bedenkt, wieviel Gewicht darauf gelegt wird, ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr daneben die Dinge dennoch sehr haeufig gehen.

Dieser mir so fremd gebliebene Widerspruch von Freiheit und Individualitaet auf der einen und absoluter Gebundenheit, Massendenken und Uniformitaet auf der anderen Seite, der wiederum widerspruechliche Gefuehle und Gedanken in mir hervorruft: Ich mag und verabscheue zugleich. Ich bin fasziniert und abgestossen, akzeptiere und lehne ab, be- und verdenke.

Da ist diese Zweideutigkeit, die ich nicht zu fassen vermag: Wenn ich sage, die Englaender sind hoeflich, dann stimmt das eben nur halb. Denn andererseits ist da diese unhoefliche fordernde Haltung, teils in den selben Menschen zu finden, die kurz darauf zuvorkommend und sich hilfsbereit bis fast hin zur Selbstaufopferung zeigen.

Ich kann nur sagen, dass der Schein hier definitiv mehr wert ist als das Sein, ganz generell, im Alltag: In Bezug auf das Verhalten, die Arbeit, den Titel, das Endprodukt, das man liefert, das Haus, das man kauft, die Sprueche, die man sagt,...

Das macht es sehr schwer, an den Kern der Dinge und Menschen zu gelangen und ich denke, dass es den Menschen auch nur sehr schwer moeglich ist, Gefuehle zu zeigen (ohne zu filtern), ihre Persoenlichkeit etc.

Obwohl letztlich "Verruecktheit", sonderlich sein und ein bisschen ein schraeger Vogel, egozentrisch, was auch immer, nicht nur toleriert, sondern sogar geschaetzt wird, wird definitiv der andere Weg ermutigt:

Uniformitaet, Oberflaechlichkeit und, das mag jetzt heftig klingen, Dummheit. Wer denkt, in Frage stellt, anders aussieht, spricht, ...., rueckt sich mehr als sonstwo ins Licht der unmittelbaren Umwelt und wird (meist hinter dem Ruecken und in "humorvoller Direktheit") verspoettelt. Wenn sehr haeufig gelobt wird, was fuer einen Rock du traegst, ist das fast schon als Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen, dass er nicht akzektabel ist (insbesondere wenn die entsprechende Bemerkung mit extremer Begeisterung zur Schau getragen wird).

Dennoch kann ich nicht sagen: Die moegen es nicht, wenn man anders ist. Wenn du dich bspw. um den Spott nicht scherst oder gar selbst ihnen zuvorkommst und sagst, was sie denken, dann schaetzen sie dich - diesmal ohne grosse Worte, aber du merkst es.

Und was diese Uniformitaetssucht betrifft, wuesste ich nur allzu gerne, ob hier nicht eine sehr viel hoehere Stueckzahl identischer Kleidungsstuecke (z. B. der obligatorische Ultra-Mini-Rock zum Ausgehen, getragen ab dem Alter von 12/13 Jahren) und Waren (siehe auch Bereich Hausbau!!!) verkauft werden als anderswo in Europa. Wuerde mich nicht wundern und waere sehr interessant, finde ich, so eine Statistik.

Die Band hat nur ein halbes Lied geprobt. Die aelteren Leute, die, abgesehen von Studenten in einigen der Haeuser in der Strasse wohnen, werden erleichtert aufgeseufzt haben. Ich weiss nicht, ob die bei uns zu Hause so unbekuemmert Tuer an Tuer mit spaetpubertierenden Assozialen leben wuerden wie sie es hier tun.

Wenn ich assozial sage, meine ich Studenten von ca. 17 Jahren, die Tag fuer Tag noch vor Mitternacht (man beachte: Pubs schliessen um elf) stockbetrunken vor und den offenen Tueren/Fenstern ihrer Haeuschen stehen, Musik auf Party-Lautstaerke hoeren, herumgroelen, manchmal Autos und umliegende Haeuser oder aber Passanten demolieren, Flaschen schmeissen (Fahrrad besitzen=Platten) und sich pruegeln, uebergeben, streiten, gegenseitig nach Hause dirigieren,... Das ist definitiv assi (meiner Definition nach), wenn es mehrfach die Woche passiert, egal, ob unter der Woche oder nicht.

Egal, ich bin muede.... Ein Roman.

Gefunden

Das Paradox des Glücks ist, dass es nur dort auftaucht, wo Menschen es nicht direkt greifen wollen. Nur wer seinen eigenen Erfolg, seine eigenen Interessen für einen Moment aus den Augen verliert, weil er sich auf ein Du ausrichtet, wird es erleben.

quelle: http://www.akademieps.de/

Ausgekotzt

Ich hab' mich soeben in einem Forum ausgelassen ueber ein Thema, das schon lange immer wieder in meinem Kopf umherirrt. Wollt's euch nicht vorenthalten:


Ich hatte als Kind eine Freundin, die war schwerhoerig. Als wir mal im Schwimmbad waren, mit einer Freundin von ihr, die taub war, da haben wir Fangen gespielt. Und die Zwei haben geredet, von einer Seite des Freibads zur Anderen. Ich konnt' die Haende sprechen seh'n. Spaeter dann hat das taube Maedchen meine Freundin gefangen. Ich hatte gerufen: "Schnell, pass auf, sie hat dich gleich!", aber sie hat's ja nicht gehoert.

Ich hab' mal in einer Gehoerlosenschule Praktikum gemacht. Beim Essen in der Kantine haben alle geredet und ich hab nichts mitbekommen.Irgendwann ploetzlich hab' ich verstanden, dass ich behindert bin, dass ich nicht mitreden konnte, nicht Teil haben. Alle wussten wer ich war, aber ich war alleine.

Vor kurzem hab ich mir in einem Geschaeft Klamotten angesehen. Im Blickwinkel hab' ich etwas gesehen und darum zur Seite geschaut und die Frau angelaechelt, die ein Stueck weg war. Sie hat mich angesehen, als haette ich etwas falsch gemacht und gleichzeitig hab' ich gemerkt, dass sie im Rollstuhl sass. Und ich war wuetend und traurig, sogar wuetend auf diese Frau, weil ich einfach einem Menschen begegnen wollte und nichts falsch machen, was auch immer ich tue.



Ich bin behindert und ich hasse es! - Nein, ich bin nicht behindert, habe keine Behinderung! Aber (sind Schimpfwoerter erlaubt?) es pisst mich gewaltig an, dass es diese Menschen gibt, die mir fremd sind, die nie "dabei" waren, in der Schule und im Kindergarten und so weiter. Somit hab' ich nie gelernt, wie man auf Leute zugeht, die in irgendeiner Form behindert sind. Das sollte so normal fuer mich sein wie eine Sprudelflasche aufdrehen. Ich bin so hilflos, weil alles falsch ist, was man tut. Ich find' es absolut daneben, dass, soweit moeglich, nicht Schule und Kindergarten geteilt werden.

An der Gehoerlosenschule waren Kinder, die so fern der Welt waren, in der wir leben und es ist nicht fair, wie es ist.

Dass jemand, der nicht hoeren kann oder nicht laufen, seine Kindheit in einem Internat verbringen muss, damit er ueberhaupt erst die Chance hat, einen ordentlichen Abschluss zu machen.

Oder, dass ein gehoerloses Maedchen - wie meine Freundin damals - viel laenger braucht, um ihr Abitur zu machen, nur weil das Schulsystem das so vorsieht bei ihrer Behinderung!

Es ist einfach laecherlich, dass "behindertengerecht" (so sch***** das Wort auch klingen mag) noch immer ein Fremdwort in den Ohren der grossen Bauherren ist!

Uff, das musste einfach raus! Gibt's was, was man tun kann?

(Ich will jetzt keine Tipps, wie ich mich verhalten soll, darum geht es mir nicht. Genau diese Tipps sollte man doch nicht brauchen, wenn man Menschen begegnet!)


(von mir) aus: Jesus.de-Forum