Es ist schon ungewohnt, von so vielen Asiaten umgeben zu sein, nicht zu verstehen, fremd sein in dieser eigenen kleinen Welt, die "Gruppierungen unter sich" wohl ueberall auf der Welt haben..
Ansonsten sind wir aber relativ bunt gemischt. Die Kunden kommen aus Afrika, Sri Lanka, Grossbritannien natuerlich, China, Hong Kong, Japan, ...; Wir Mitarbeiter stammen aus China, Hong Kong, Polen, England oder eben Deutschland. Das ist interessant.
Gestern schon, also nach einer meiner Meinung nach erst kurzen Probefahrt auf dem Rueckweg von der Lieferung am Donnerstag, wurde ich als Fahrerin eingesetzt. Begleitet hat mich Ken, er kommt aus Hong Kong und spricht somit die richtige Sprache, um mit den Kunden zu verhandeln. Ich bin gefahren und habe meinen Anteil getragen. Wir sind am fruehen Nachmittag losgefahren und waren um halb neun zurueck.
Es war sehr heiss, ich musste mich noch voll auf's Fahren konzentrieren (Kuehlwagen nur mit Seitenspiegeln; weil ich zu klein bin ist der linke teils vom Armaturenbrett bedeckt und ich seh' kaum was beim rueckwaerts fahren), Ken hat sehr viel geredet, in seinem fuer mich noch ungewohnten Akzent, ich musste dauernd antworten, erzaehlen, was er hoeren wollte ueber mich und meine Familie und Deutschland und und und...
Es war gut, schliesslich trainiere ich so endlich mein Englisch. Aber eben unheimlich anstrengend. Wir haben wirklich literweise Wasser in uns hineingeschuettet und Ken ist auf dem Rueckweg dann auch eingeschlafen (uff, recht angenehm, nur ich und das Radio und die wunderschoenen gewundenen Hoppelstraesschen Lincolnshire's).
Ja, der Van ist eindeutig nicht fuer meine Koerpergroesse gebaut, so ist bsp. der Sitz auch in der niedrigsten Einstellung etwas zu hoch und auf Dauer ist das sehr anstrengend, vor allem das Kuppeln. Dann eben der linke Spiegel, der teils verdeckt wird. Ausserdem kann man, wenn man bspw. in einem 45-Grad-Winkel zur Strasse steht, in die man nach links einzubiegen gedenkt, die Autos nicht sehen, die dort fahren. Ich habe zweigeteilte Spiegel und werde mal schauen, ob ich sie so einstellen kann, dass das zumindest teilweise geht.
Ich musste viele Manoever fahren, von wegen rueckwaerts in enge Gassen rein bzw. rueckwaerts irgendwo rausfahren, und so langsam klappt das immer besser, auch mit dem Schalten, wo ich anfangs den Schaltknueppel oft einfach nicht finden konnte ;)
Wir haben zwei Lieferungen angenommen gestern, also zwei LKWs ausgeladen, bevor wir dann selbst auf Lieferfahrt gegangen sind. Ich muss mich noch an das Gewicht der Pakete, Kisten, Faesser und Saecke gewoehnen. Ich hebe, soweit moeglich, rueckenschonend, ignoriere den Muskelkater (heute schon wieder besser) und schwitze mit den Anderen um die Wette.
Ich muss erst um 11 anfangen, hab' bisher bis 19:30 bzw. 20:30 gearbeitet. Vier bis fuenf Mal die Woche werden Lieferungen gefahren, davon auf jeden Fall je zwei Male die laengere bzw kuerzere Tour. Vorerst soll ich 6 bis 7 Tage die Woche arbeiten.
Gerade wasche ich meine Waesche, noch bin ich abends zu kaputt, als dass ich noch viel machen koennte. Aber ich werd' mich dran gewoehnen. Die Kollegen und Chefs sind nett, die Zeit geht schnell rum bei all der Arbeit, ich verdiene Geld und profitiere auch sonst vielfach von dem Job.
Ach ja, und es macht meist gar nichts aus, wenn ich Kunden zu meiner Chefin weiterschicken muss. Haeufig naemlich moechten sie einfach nur in ihrer eigenen Sprache bedient werden.
Die Kleiderwahl faellt mir ausserordentlich schwer: Ich habe viele schoene Klamotten, das ist nicht die Frage. Aber ich muss einerseits Kleidung tragen, die praktisch ist fuer's Schleppen, nicht verrutscht beim Heben und Buecken und Klettern und Schieben, sich angenehm traegt, auch wenn's einem sehr warm wird und dennoch gut aussieht, weil man ja nebenbei auch Kundschaft bedient bzw. beliefert. Gestern bspw. habe ich eine meiner relativ wenigen kurzen Hosen geschrottet, weil ich schwer beladen eine Tuer aufgestossen habe und beim Durchgehen an der Briefklappe haengen geblieben bin. Mein Kollege meinte nur, ich solle froh sein, dass der Riss nicht an einer anderen Stelle ist. Gut, dass er das gesagt hat. Ich war dann wirklich eher erleichtert als sauer. Die Hose war fast neu, aber das sind alle bzw. beide meine kuerzeren Hosen, von denen ich dachte, sie seien ideal fuer's Arbeiten....
Und die Fussball-Ergebnisse bzw. den jeweiligen Zwischenstand haben wir auch mitbekommen: Zuerst im China-Restaurant, wo die gesamte Belegschaft um einen Mini-TV herumgruppiert war und Deutschland gegen Costa Rica angeschaut hat. Das war irgendwie lustig, wo die nicht mal richtig Englisch konnten und das gesamte Umfeld so wunderbar asiatisch war. Da schien das WM-Gucken, das mich so sehr an deutsche Kneipenkultur erinnert hat, voellig fehl am Platz.
Auch waren die Kunden fast ausnahmslos sehr erstaunt, wenn ich kam. Ich dachte, es liegt daran, dass ich keine Chinesin bin. Aber nein, ich haett' es besser wissen sollen: Der Grund ist - so hat Ken mich eines Besseren belehrt - dass ich eine Frau bin, die den Van faehrt und die Waren schleppt. Ja, ja. Manche Dinge sind doch ueberall gleich.
So. Jetzt hab' ich mein Defizit von gestern wohl vielfach wieder ausgeglichen. ;)