Saturday, March 11, 2006

Meine Tulpen

Ich lass' sie immer stehen, bis die Bluetenblaetter leicht glasig werden, einen matten seidigen Glanz bekommen, die Farben sich wandeln, eine weniger leuchtende, zunehmend vornehme Toenung bekommen.

Das mag ich an Tulpen. Sie altern so schoen.

Wie Seidenpapier sehen die Blueten aus, auch das Blatt- und Stilgruen ist matt geworden. Und ich find' sie dennoch schoen. Wunderschoen.

Sanft gebog'ne Stile tragen Koepfe, leicht geneigte Koepfe, muede vielleicht und etwas schwer. Zerbrechlich. Laengst nicht mehr die Illusion von Perfektion und strahlend neuem Tag.

Alt und weise, beharrlich. Absorbiert das Leben, den langen Tag, und Traeume.

Eindeutig eine subjektive Empfindung, wenn es scheint, dass stets jene Cremes, Teesorten, Zahnpastas oder was auch immer am laengsten halten, die man am wenigsten mag und nur deshalb weiter gebraucht, weil man sie nicht wegwerfen moechte...

Hmm, aber dass man in eben diesen Faellen - aktuell eine Packung nerviges Toilettenpapier - den groessten nur moeglichen Pack erstanden hat, das scheint dann doch eine Art Gesetz zu sein... grins.

Als ich vorhin auf die Toilette gegangen bin, fiel mir ein, dass ich, wuerde ich genau das, sagen wir mal 150 Jahre eher, tun, die Treppe runter gegangen waere und in den Hinterhof.

Dabei wahrscheinlich meinem wunderlichen Nachbarn ueber den Weg gelaufen, eines jener Klohaeusschen - mit oder ohne ausgesaegtes Herz in der Tuer - betreten und erledigt, was zu erledigen ist in dem Bewusstsein, dass jedes Geraeusch in der gesamten Nachbarschaft vernehmbar ist.

Moeglicherweise muesste ich warten oder wuerde irgendjemanden zum Warten zwingen. Ich geh' mal davon aus, dass sowohl meine Nase als auch mein Hygieneempfinden entweder entsprechend wenig ausgebildet oder zumindest abgehaertet waeren, dass ich wenigstens in derlei Hinsicht keine Probleme haette.

Vielleicht auch doch. Alles verhaeltnismaessig: Ich weiss ja nicht, wie jenes Klohaeusschen, bestimmt zu teilen mit mehreren Anliegern, zu jener Zeit wahrscheinlich aussaehe.

Fakt ist, dass das Leben in einer WG gemeinsam mit Englaendern zur Abhaertung beitraegt. Ich rede mir ein, dass es auch daran liegt, dass ich ziemlich selten nur krank werde hier: Abhaertung eben, Immunisierung,....

Friday, March 10, 2006

Gut gemacht

Wieder hat K. heute was echt Schlaues bemerkt.

Es ging mal wieder darum, dass mir haeufig so Sachen passieren/zustossen, in ungewoehnlicher Menge, negatives Zeug, seltsames, unwahrscheinliches.

Warum hab' ich also als einzige diese E-Mail von der Tutorin bekommen, ich solle regelmaessig zum Seminar erscheinen. Fand ich sehr seltsam, denn ich war selten nicht da - wo sich andere tendenziell eher ziemlich rar machten.

Okey, sie musste die Angelegenheit testen:"Wieder mal nur ich?"

Hat also eine Umfrage gestartet - und tatsaechlich, keiner scheint diese Mail bekommen zu haben.

Okey, und da meinte sie, "der Gott" mache das sicher extra mit mir und so weiter. Weil es ja letztlich immer gut ausgehe, erstaunlich gut.

Ich dachte, sie koenne recht haben damit. Dass ich angefochten bin, koennte man meinen. Oder dass Gott mich stark macht, die ich ziemlich schwach bin und instabil - noch immer.

Sie hat wirklich viele kluge Worte, diese Lady!

Tagesthema

irgendwie bin ich ja optimist
halt ein pessimistischer
aber trotzdem irgendwie
ich glaub naemlich wirklich, dass alles gut wird irgendwie und so
aber ich fuehl's anders
ich fuehls traurig
aber ich denks froehlich

Thursday, March 09, 2006

Ein Geschenk fuer mich.

Hab' ich geschenkt bekommen: Psalm 32,8. Gute Stelle, passt auch im Augenblick.
Hier ein kleiner Vergleich:


Elberfelder:

Ich will dich unterweisen und dich
lehren den Weg, den du gehen sollst;
ich will dir raten, meine Augen ueber dir offenhalten.



NIV:
I will instruct you and teach
you in the way you should
go:
I will counsel you and watch
over you.




PS: Ich find', hier hat's die Message eher nicht so toll getroffen:


The Message:
Let me give you some good advice;
I'm looking you in the eye
and giving it to you straight



Geklaert...

... hat die Gesichtsmaske hoffentlich mein Gesicht. Hab' diesmal ganz vergessen, Grimassen zu schneiden: Sass vor der Tagesschau am Laptop.

Lese und lese. Nicht den Eindruck, dass ich das lerne, was ich werde schreiben muessen. Naja, dennoch interessant und noch habe ich Zeit bis zur Abgabe. Von daher alles in Butter - wie man damals so schoen sagte, bevor ich derartige Ausdruecke zu benutzen begann.

Morgen geh' ich auf ein Konzert und freu' mich drauf. Klassik - Querschnitt durch einige Epochen, soweit ich das dem Programm entnehmen konnte.

Zuvor "zum Kaffee" bei Anja, Julia und Caroline, mit der ich das Ereignis teile.

Spaeter abends, also 'ne Weile nach dem Konzert, gehen wir alle zusammen weg. Anja hat naemlich gerade Besuch von ihrem Freund und Caroline's Bruder ist auch da.

Ja. Zuvor werde ich brav an die Uni gehen, sind wichtige Faecher morgen, denke ich. Zumindest mag ich nichts verpassen.

(Wohl auch wegen der E-Mail, die wir bezueglich spaerlicher Anwesenheit in den Project Management-Seminaren letzte Woche bekommen haben. Will beweisen, dass ich - in diesem Fall jetzt ma' echt! - nicht betroffen bin.)

Heut' von meinem kranken Bruder gelesen, ich hoff', es geht ihm schon wieder besser! Waer' ja echt bloed sonst!

Alltag

Der Nachbar bruellt.
Mitbewohner stehen gerade auf.
Klara nicht da.
Sonne scheint oder auch nicht.
Tee getrunken.
Lange schon Fruehstueck gehabt.
Texte gelesen.
Werd' weiter lesen.
Mails geschrieben.
Nachgedacht.
Gebetet fuer Leute.
Hoffnung.
Freude.
Spannung.
Weiter geht's.

Wednesday, March 08, 2006

Heute

Mistwetter draussen: Regen und nass. - Gehoer'n zusammen, die beiden, nicht wahr?

Hatte frei und lag endlos im Bett. Mittags beim Friseur, wollt' nicht mehr warten. Guenstig und ziemlich gut.

Danach im Charity Shop u. A. eine Schuessel erstanden.

Weil's mir gestunken hat, jedes Mal dieses ach so lustige Spielchen mitzumachen: Immer wenn wir irgendetwas benutzen, was unsere Mitbewohnerin zu brauchen meint, bestraft sie uns hinterher unauffaellig, indem eben diese Sache fuer eine Weile unauffindbar bleibt. Schuesseln hier sind knapp, also haeufig der entsprechende Engpass.

Grad' les' ich weiter zu Rumaenien und Bulgarien. Derzeit Rumaenien. Bin noch immer bei allgemeinen Landesinformationen und noch nicht bei den genauen "EU-Beitritts-relevanten Zahlen". Aber es ist sehr interessant soweit. Und noch immer weiss ich nichts.

Meine Haare sind also wieder kurz, ich freu' mich auf die Dusche vorm Schlafengehen! Das juckt noch immer. Irgendwie scheint es unmoeglich, die Haare schneiden zu lassen, ohne hinterher ueberall Haare haengen zu haben.

Dabei koennt' man doch sicher erst hinterher die Haare waschen - vorher nur anfeuchten. Und natuerlich gaanz zum Schluss erst den Umhang entfernen... Hmm, egal.

Hab' heute auch mit meinem Bruder telefoniert, dem juengeren (der nun mal wirklich nicht mehr klein ist). Wenn er erzaehlt, von Klausuren ("..morgen, hab' noch nix gemacht..."), dann bin ich wieder dort, in jener Zeit. Ich bin so froh, dass das vorbei ist.

Alles ziemlich Scheisse gelaufen damals und ich war so festgelegt und konnt' keine andere Bahn einschlagen und konnt' nicht raus, erst nach schrecklich langen neun Jahren. So hab' ich's empfunden.

Ich sein duerfen. Das ist jetzt. Jipeeh! Ich wuensch's ihm auch: Dass er raus kommt und seinen Weg findet.

Monday, March 06, 2006

Drachen steigen lassen

Wir wollten spazieren geh'n in Sonne und Wind.
Die rote Tasche dabei: Der neue Drachen.
Seltsamerweise war es ploetzlich Klara, die so scharf drauf war, ihn auch wirklich auszuprobieren.

Uns war nie aufgefallen, wie viele Strommasten ueberall stehen, ihre Kabel wie Notenlinien den Himmel in lange mehrstreifige Baender schneiden. Wohin man schaute die zu meidenen Strommasten also, wir auf dem Damm zwischen den beiden Kanaelen, friedlich. Die rote Tasche abwechselnd tragend, sie war ja leicht.

Die Sonnenbrille hab' ich lange gebraucht, spaeter in der Hand getragen und mich gefragt, warum ich sie dabei habe: Ploetzlich war die Sonne fort und alles schattig und kalt. Dennoch wunderschoen.

Wir haben die Tasche wie sie war wieder mit nach Hause genommen. Ich hab' sie in den Schrank gestellt. Ordentlich wie ich nun mal bin inzwischen.

Da steht sie im Schrank. Ich verdanke ihr einen schoenen Spaziergang in Sonne und Wind. Der Drachen war sein Geld wert.

Schuerfwunde

Hingefallen und das Knie aufgeschuerft. Als Kind irgendwie so oft. Heut' nicht mehr.

Noch immer denke ich nach ueber gleiche Sachen.

Noch immer macht es mir zu schaffen, anzufangen irgendwo, irgendwas zu tun und dann zu gehen.
Das Einzige, was zu verlassen mir stets schwer faellt, ist der Ort: Mein Zimmer, die Umgebung, die Stadt.

Ich hab' das nun schon drei Male hinter mir, es war jedes Mal ok und doch nicht ok. Erfahrungen gesammelt auf dem Weg. Die Zeit als viel zu kurz erlebt und oberflaechlich, zu wenig erfuellend und zu wenig genutzt, was geboten war. Zu wenig gesehen, zu wenig unternommen, zu wenig gemacht im Allgemeinen, zu wenig gelebt. Zu wenig getroffen, gesprochen, gelebt. Schade. Bedauern.

Die allgegenwaertige Frage, was ich mit meinem Leben anfangen moechte.

Es ist schoenes Wetter heute. Ich schau' gern die Tulpen an, die ein bisschen Fruehling machen, mein Schraenkchen mit Blau innen, mein Rahmensammelsurium an der Wand. Mosaik.

Ich mag mein Zimmer. Ich mag das Wetter. Heute ist es sonnig und ausnahmsweise wohl auch mild.

Ich werde mich noch ordentlich anziehen muessen, bevor ich zur Uni gehe nachher. Morgen streiken die Lehrkraefte. Vielleicht laenger. Hab' nach dem Duschen irgendwas uebergezogen, warm und bequem. "Kind, wie laeufst du nur 'rum?"

Wenn ich Psychologie studiere, bin ich 30, bis ich fertig bin. Mindestens. Dazu kommt aber noch mehr, falls ich bspw. Psychotherapeutin werden moechte.

Mir macht es Angst, wenn ich mich frage, was ich die bisherigen Jahre gemacht habe. Was fuer einen Sinn das alles gehabt hat. Ob ich mich nicht einfach in ein Flugzeug oder was auch immer setzen soll, dahin gehen, wo ich gebraucht werde: Helfende Hand und mehr nicht.

Ist der Ehrgeiz gerechtfertigt, was "Richtiges" studieren zu wollen, mehr wissen zu wollen, endlich was zu machen, was Spass/zumindest Sinn macht (in meinen Augen)?

Oder nur falsche Eitelkeit, nur der Versuch, zu kompensieren, was zu kompensieren nicht moeglich ist.

Wie krieg' ich also raus, was Gott will und was ich will und inwieweit das uebereinstimmt, wenn ich irgendwann soweit bin, das Eine oder Andere zumindest zu erahnen? Ich frage und frage und warte und warte. Bin eigentlich auch geduldig. Aber die Welt ist es nicht um mich herum:

Ich werde bald hier ausziehen muessen. Das "Zu verkaufen" haengt schon vor der Tuere. Ich werde mich bald auf die Pruefungen konzentrieren muessen und kaum noch Zeit und Ruhe zum Nachdenken haben. Ich werde bald Leuten Bescheid sagen muessen, wann was ansteht und wie es von statten gehen soll. Ich werde bald ueberlegen muessen wie ich was wohin transportiere und moechte somit selbst Bescheid wissen.

Ich kann in gewissem Ausmass mit Ungewissheit leben. Aber es gibt Einreich- und Abgabetermine, Deadlines, die ich nicht ueberschreiten darf, weil dann Wege versperrt sind, die zu begehen ich erwaege.

So ist das Leben. Mich nervt es, denken zu muessen, dass der ganze Schrott nur fuer mich so schwer zu laufen scheint bzw. nur manchen so schwer faellt - Und natuerlich muss ich dazu gehoeren.

Vielleicht ist es ja ganz gleich, was ich mache.

Vielleicht hab' ich mich schon laengst entschieden. Vielleicht ja vor Jahren schon.

Dieser Gedanke sticks in my head like chewing gum on the pavement. Festgetreten. Abkratzen oder kleben lassen? Noch mehr Kaugummis kauen und schau'n, ob's zu 'nem Muster wird? Nicht haengen bleiben. Schmutzig Rosa und Weiss. Nicht mehr ausspucken (tu' ich eh' nicht, eklig)?

Das Wetter ist schoen. Ich moecht' noch 'nen Kaffee trinken, bevor ich gehen muss. Wach werden. Der Tag hat mich wach verdient.

To be torn ist eine eklige Geschichte. Weil man mit aller Kraft am Rudern ist, ohne auch nur einen Zentimeter vom Fleck zu kommen. Kaugummi.