Jammereintrag. Das nur zur Warnung.
Ich war frueh auf gestern, schon um sieben fit.
Viel Zeit.
Geduscht, angezogen und grad' in der Kueche zum Kaffee machen und so weiter.
Ploetzlich hab' ich die Tasse verschwommen gesehen.
Und wusste, was los ist.
Bin ruhig hochgegangen, hab' die Tablette genommen, mit ausreichend Wasser, mich wieder umgezogen, die Vorhaenge zugezogen und Klara einen Zettel an die Tuer gehaengt, bevor ich ins Bett bin:
"Lass mich schlafen, Migraene :( "
Ich hab' schnell genug reagiert diesmal, nicht gezweifelt, ob ich mich irre, also rechtzeitig die Tablette genommen.
Spaeter das Uebliche: schreckliche Kopfschmerzen trotz Tablette, aber noch im Rahmen, Taubheitsgefuehle - der Arm, eine Gesichtshaelfte, ein Bein nicht spueren oder so ein Kribbeln, heftige Sehstoerungen, Uebelkeit, mir war saukalt, die ganze Zeit. Und ich war so hilflos. Ausgelieftert, so verdammt unfaehig, irgendwas zu tun.
Aber so lief es relativ glimpflich ab, am Spaetnachmittag konnte ich schon wieder zum Bad oder so.
Heute bin ich noch immer voellig am Ende, das strengt an wie eine Woche Grippe. Unuebertrieben.
Noch immer sehe ich nicht ganz normal und bin voellig verkrampft. Alles dreht sich jetzt darum, sich zu schonen und dennoch moeglichst normal ablaufen zu lassen, was geht. Weil sonst der naechste kommt. Wenn ich das verhindern kann, ist alles gut. Ich war wieder um sieben auf und wach.
Der letzte war vor 10 Monaten, da war ich arbeiten und hab's irgendwie ueberlebt. Und war hinterher sehr, sehr stolz auf mich. Das hatte ich noch nie geschafft.
Es muss viel zu viel gewesen sein letzte Woche: Das Antibiotikum, abends Fieber, tagsueber im Bus gehoerte ich zu den wenigen, die nicht schlafen konnten. Mir war's dauernd schlecht und so hab' ich auch fast nichts gegessen. Meist nur morgens ein bisschen.
Der Thriller vorgestern abend war auch zu viel, da war ich total angespannt und hab' mich schon etwas gewundert. Ich blick' das nie. Wenn's zuviel ist und ich aufhoeren muss.
Die letzten Monate bin ich nicht ein einziges Mal runtergekommen. Das faellt mir jetzt also auf.
Gestern Abend dann konnt' ich nicht schlafen, weil alles in Frage gestellt wurde und hochkam und ich mir so unglaublich ausgeliefert und hilflos vorkam:
Ich hab' versagt. Ich bin schwach. Anderen passiert das nicht. Warum ich? Steht das Motorrad noch draussen? Wie soll ich das alles schaffen? Gott, ich wollt doch nur zum Gottesdienst geh'n? Wolltest du mich bestrafen, warnen? Was hab' ich falsch gemacht? Was machen die da draussen? Steht das Motorrad noch? Ich haett' laengst fuer eine Loesung sorgen sollen? Was mach' ich nach dem Studium hier? Welche Entscheidung ist richtig? Wonach soll ich gehn? Gott, es tut mir alles leid! Ich will vertrauen, aber es faellt mir so scheiss-schwer! Bitte nicht noch ein Anfall! Ich will nicht handeln. Ignorier' das einfach, ja? Ich will nicht mit dir handeln! Ich hab' da ja kein Recht dazu. Aber ich will nie wieder Migraene haben. Ich will gesund sein. Kannst du mir das nicht irgendwie anders sagen? ....
Man sagt, das Migraenepatienten haeufig intensiver wahrnehmen. Das scheint sich spaetestens heute zu bestaetigen: Alles, was ich anschaue, leuchtet mir entgegen, scheint eindruecklicher, farbiger, entschiedener, greller, schoener.
Das zu geniessen allerdings faellt mir schwer. Denn so lange ich so empfindsam bin, hab' ich's noch nicht ganz geschafft.
So. Die Jammernachricht war das. Ich bin noch immer aufgewuehlt, verwirrt.
Es mag gut sein, einsehen zu muessen, wie abhaengig man ist. Aber diese verdammte Hilflosigkeit wuensche ich keinem.
Man fuehlt sich, als litte man an einem Hirngespinst.
Vor allem, weil ein Aussenstehender das gar nicht nachvollziehen kann. Das hat nichts mit Kopfschmerzen zu tun. Die kenne ich auch.
Ich flieh' zu Gott und weine. Soll er doch machen, was er will.