Ich bin wieder da.
Gestern abend, muede und abgekaempft, aber zufrieden heimgekehrt, halbherzig den Koffer auszuraeumen begonnen, Klara die wichtigsten Infos uebermittelt und ins Bett gefallen.
Die Reise laesst sich folgendermassen recht schnell zusammenfassen:
Einerseits faszinierende Vortraege und Einblicke von Fachleuten aus Kommission, Landes- bzw. Bundeslandsvertretungen, dem Parlament, Gerichtshof fuer Menschenrechte etc...
Dazu zeitlich sehr knapp bemessene Ausfluege in Bruessel und Strasbourg (1. Wo gibt's was zu essen? 2. Was machen wir in den restlichen 20/30/55 Minuten?).
Und andererseits endlos scheinende Busfahrten in einem uralten, viel zu engen und langsamen Bus (LKWs und sogar Schwertransporte haben staendig ueberholt) mit einem eindeutig unfaehigen Fahrer.
Ich ziehe ein positives Fazit aus dem Ganzen, war spannend ohne Ende, ich haette allerdings gern so viel mehr gehoert und gefragt und gelernt! Die Busfahrt war nicht angenehm, aber die Sache wert.
Die Hotels waren nobel bis in Ordnung und lagen ausnahmslos am A**** der Welt. Ohnehin mussten wir zwischen viertel vor sechs bis halb sieben aufstehen und hatten volles Programm, so dass wirklich keiner auf die Idee kam, laenger als bis Mitternacht (wenn ueberhaupt) aufzubleiben, geschweige denn, auszugehen. Das hat mich bei manchen erstaunt.
Aber man brauchte auch volle Konzentration bei teils 3 oder 4 langenVortraegen verschiedenster Leute hintereinander, dann einer kurzen Pause und danach wiederum einer Fortsetzung, das Ganze umklammert von mehrstuendigen Busfahrten.
Ich habe uebrigens bewusst keinen informiert darueber, wann ich in Strasbourg bin, da ich nur eine Essenspause mittags hatte.
Der fruehe Abend war zur freien Verfuegung, wenn man unabhaengig nach Colmar zum Hotel zurueck kam und den hatte ich einzig und allein meinen Eltern vorbehalten, die ich schliesslich ein halbes Jahr nicht mehr gesehen hatte.
Es war sehr, sehr schoen, sie wieder zu sehen und hat mir Mut gemacht. Ich hab' mich gefreut, dass sie beide so gut aussehen, insbesondere aber mein Vater, der ja lange so krank war. Und ach, ich hoffe, dass das so bleibt!
Wir haben viel geredet und besprochen, ich wurde mit massenweise Zeugs eingedeckt, u. A. geniale Direkt-Import-Orangen aus Israel, Tee, einen Geburtstagskuchen fuer naechsten Monat,...
Der arme Busfahrer hat ziemlich gelitten, als er meinen urspruenglich nur halb vollen und ploetzlich enorm viel schwereren Koffer verstaut hat. Aber er mochte mich irgendwie und hat's mit Humor genommen.
Abgesehen davon, dass er wirklich nicht fahren kann, schien er echt in Ordnung zu sein. Wenn man bei Schnee mit Sommerreifen durch die Hoch-Vogesen faehrt (was an sich schon unsinnig war), sollte man nicht heizen, wo die franzoesischen LKWs und Autos im Schritttempo fahren, nicht in den Schnee ausweichen und voll bremsen, nicht, wenn man schon heftig gerutscht ist, ebenso schnell weiter fahren und jedes Mal unsanft in die Kurven reinbremsen....
Wir sind tatsaechlich nur ein einziges Mal richtig gerutscht, was mich erstaunt hat. Hier faehrt man einfach nicht mehr, wenn es "so viel Schnee" hat.
In Bruessel war es mehrfach auch nur der Geistesgegenwart der belgischen Fahrer zu verdanken, dass es nicht zu Unfaellen bzw. Massenkaramboulagen auf Kreuzungen kam. Echt ein Chaot, der Gute. Aber da oben im Bus fuehlt man sich relativ sicher - und spannend ist es allemal. Von daher fand ichs nicht so schlimm, eher amuesant.
Leute, ich bin begeistert von der EU bzw. vielen, vielen Aspekten, die ich kennenlernen durfte. Waren uebrigens bei der Debatte und anschliessenden Abstimmung zur Servicedirektive dabei, das war auch super!
Hehe, haette natuerlich am liebsten mitdiskutiert - und den Massen an Zuspaetkommern die Ohren langgezogen, die teilweise die Abstimmungen verpassten. Das gehoert sich nicht. Wofuer werden sie denn bezahlt?! Sie sollen ihr Land vertreten bzw. die entsprechende politische Richtung, und da kann man zumindest erwarten, dass sie zugegen sind, wenn die Post abgeht.
Unsere Angela ist uebrigens tatsaechlich hochgeschaetzt bei allen Rednern. Wir wurden als englische Gruppe behandelt und somit ist es erstaunlich wie oft sie als Hoffnungstraegerin bzw. einfach lobend erwaehnt wurde. Man wusste ja nicht, dass einige von uns Deutsche waren.
Nun seid ihr beinahe auf dem neuesten Stand. Ich bin noch immer nicht ganz fit und befuerchte, das Antibiotikum war nicht das richtige. Aber das wird sich zeigen.